Pascale Grau:
Unklare Notwendigkeiten im Katzenmodus

Pascale Grau schreibt über die Performance «Sounding» von Judith Huber am Freitag 27.3.2015 anlässlich der Ausstellung «Konstant in Auflösung» kuratiert von Esther Amrein und Andrina Jörg im Trudelhaus Baden.

Streicheln, rüberschieben, wenden, glätten,
flirren, fädeln, schieben, ordnen.
Beide Hände kreisen im Lufttanz.

Bügeln, kringeln, fingern, fädeln und wieder schieben.
Zeichnen, schubsen, holen und knoten wie zwei Boten
arbeiten sich die Hände durch ein Gewirr von Fäden.

Arbeiten, zerteilen und wieder fädeln, schieben und ordnen.
Kleine Schritte und halbe Drehungen. Die Beine folgen, von oben nach unten,
von vorne nach hinten, während die Hände tätscheln, ausloten und sich kümmern.

Streicheln, glätten, wischen, anhäufen, aufhäufen, zerteilen und innehalten, binden, knoten, zerstückeln und zusammenfügen. All dies sind Handlungen, die Judith Huber, die sich währenddessen wie eine fleissige Amöbe durch den Raum bewegt, suggeriert. Ebenso eine Zeichnung, ein Handwerk, eine Andeutung, die gerührt, geschubst, gefältelt und geordnet wird.

In mir wird das Bild einer Sari-Weberei in Indien freigesetzt. Die vielfältigen kleinen Handbewegungen der Arbeiterinnen und die leisen Geräusche der Webstühle und der Spulen.

Und plötzlich ein Ton. Oder war er schon die ganze Zeit da? Ein Summen aus dem Maschinenmund, ein quäkend murmelndes Geräusch? Ein Glucksen, Mauen, Gnauen und Quengeln wird lauter und begleitet die Handbewegungsmaschine. Der Mundraum wird zum Instrument. Judith Huber nimmt mit den Augen Kontakt zum Publikum auf. Sie erwarten nichts. Sie geht weiter, einmal exakt und dann wieder fahrig, tierhaft mit den Händen die Luft durchpflügend. Jetzt quietscht es sich aus.