Pascale Grau:
Beat Unternährer

Pascale Grau schreibt auf Anfrage von Panch nach der Performance von Beat Unternährer am Freitag 23.09.2016 im Rahmen von Panch im Neubad Luzern.

Der Performer und Posaunist steht bereit im Kachelpool, das Publikum rundherum. Seine Posaune hat zwei Trichter, einer zeigt nach vorn unten, der andere nach hinten oben. Ich stelle mir vor, wie das in diesem Kachelraum tönen und widerhallen wird.
Zuerst dreht er um sich selbst, dreht wie ein Derwisch ohne Unterlass und sehr elegant. Draussen lärmt eine Feuerwehrsirene vorbei. Drinnen ist es still. Wir stehen nah und fangen Luftstösse auf, die der Derwisch durch sein Instrument presst.

Ich bin ganz bei den Füssen, bei den schwarzen Schuhen. Der eine dreht einen Dreiviertelkreis, der andere sekundiert tänzerisch. Das Instrument glänzt und blinkt im Lichtstrahl. Durch das ständige Drehen werde ich wie eine Uhr aufgezogen, gespannt auf Klänge, die immer noch ausbleiben. Stattdessen wird das Pumpen durch Ein- und Ausatmen vergrössert. Da, der Doppelblasebalg wirft einen Schatten an die weisse Kachelwand. Endlich ein exakter Ton: ein Luftschiessen und ein Rhythmusfächer aus kleingeschlagenen ft-ft-ffttt-ft. Durch die Trichter werden die Laute verstärkt.

Ich schaue auf die Uhr. Fünf Minuten kreist er schon und jetzt beschleunigt er auch noch. Erinnerungen an das dumpfe Fallen steigen auf, wenn wir als Kinder «Kreisen-bis-zum-Umfallen» gespielt haben. Er beherrscht den Derwischtanz.
Im Schattenwurf werden die Doppelflügel zu einem Propeller zu einem Hubschrauber und jetzt hebt die Menschen-Atem-Maschine ab. Aus der Zirkuläratmung presst sie den ersten lauten Quetsch-und Quietschton hervor, der im quadrophonischen Ruf einer Schiffshupe endet. Überwältigend!

Mit Rufen, Schimpfen und Entengeschnatter jagt er auch uns weiter im Kreis! Zehn Minuten drehen wir schon, dann verlangsamt sich der Tanz und das Ausrufen verebbt. Während er langsamer kreist, hebt und senkt er sein Instrument zu einer Geste der Bejahung. Aus ihm schiessen jetzt Töne von unten nach oben und über uns hinaus. Dank Zirkuläratmung entstehen Didgeridoo-Effekte – und jetzt – wird’s laut – und wütend – und wie!

Bei Minute Fünfzehn beschleunigt er seinen Kreistanz nochmals und tritt als röhrender Hirsch in Aktion, tutet und bläst, dreht und kurbelt ekstatisch auf und ab.
– Klimax!
Abrupt bleibt der Performer stehen, kein Wanken, nichts. Breit steht er da, nur das Atmen bleibt.


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