Mirzlekid:
Passieren

Mirzlekid schreibt nach der Performance Veranstaltung «PASSIEREN» vom Samstag 16.06.2018 von 14 bis 19 Uhr rund um den Kunstraum OSTGLEIS im Bahnhof Ostermundigen, Bern.

Zu Zweit sagen sie heute die Zeit an. Claudia Grimm & Joëlle Valterio und dass es passieren wird! Das passieren von Passanten findet eh statt.

Spaziergang: Charlotte Rollig, eine Künstlerin vom Künstler/innenkollektiv DARTS, wird erwähnt und ein rotes Auto rollt durch. Ein Citröen C4 oder C5. Das passiert! Claudia Grimm erklärt näheres zu den Gebäuden über den Geleisen drüben. Wir passieren mit den Blicken. «Das Kollektive DARTS hat sich bei Einzelausstellungen kennen gelernt. Die Gebäude haben eine selbstreinigende Funktion für die Bewohner. Aber genaueres später, vor Ort, mit den disappearing artists.»

Zugpause! Weil ein wirklich lauter und schneller Zug durch den Bahnhof gleitet. Gräulich-Blaue-Rechteckige Flächen. Die Arbeit heisst EE1, eckige Ermunterung 1, erklärt Claudia. Beim Passieren treffen wir auf Jürg. Thomas Zollinger trägt einen roten Spitzen im Rucksack. Bruggli irritieren. Wieder Claudia: „Wotscht denn morn scho ufs Brüggli?. Das heisst das man das Kind über Nacht auf den Balkon raussperrt. Nicht einfach so, nein nein, in ein Ritual gebunden. Es soll ein Ritual sein für das Abtrösten.

In einer Zugunterführung werden Schweizer Landkarten in Streifen zerrissen und von der Decke gehängt. So flattern sie im Wind. «Die Musikerin kann von der Bühne direkt in den Zug steigen», sagt jemand. Thomas geht. Etwas tragend. Mit einer roten niedlichen Giesskanne und seinen Rucksack, der etwas Ausserirdisches hat. Anders kann man das nicht sagen. Die Niedliche erinnert auch an alte Tage. Als Bahnhofsvorsteher und Bahnhofsarbeiter mit (auch so niedlichen) kleinen Ölkännchen herum gingen und sie benutzten. Die waren aber sicher nicht rot. Schwarz Weiss früher, Schwarz Weiss Fotografie, heute in Farbe, Farbfotografie.

Klang und Geräusche einfädeln, mit einfachen nicht auffälligen und nicht grossen Installationen. Kleine Motoren, Aluminium Platten, kleine Eisenstangen, Solar Pannel und Lautsprecherboxen hängt Jan Schacher auf. Sender? Empfänger? Immer wieder zurecht richten müssen, zu recht rücken. Einstellend läuft der Performer dem Perron entlang.

Das Spannungsfeld, die Intensität der Ein und Durchfahrenden Züge, nimmt zu. Tut fast weh. Durch das dass man offener da ist. Mit geschärfteren Sinnen, so zu sagen. Weil man, um Performances anschauen zu kommen, her gekommen ist. Dadurch passiert auch immer wieder «Verzauberung des Ortes» an dem es statt findet. Oder überhaupt dort wo Kunst statt findet.

Aha! Darum können Brachen, ehemalige Industrie Areale und andere unbelebtere Orte in eine neue Attraktivität geholt werden. Dann aufgewertet und somit gentrifiziert werden. Dann sind sie plötzlich was, diese Orte und der Mensch getraut sich aus den Löchern um dort hin zu kriechen.

Der Text besteht aus Ausschnitten der gesamten Veranstaltung. Es sind Einzelne und Teile von Performances beschrieben. 02.07.2018

Beteiligte Künstler/innen / Antonia Erni, Barbara Gasser, Pascale Grau, Gisela Hochuli, Kollektiv DARTS, Oleg Kaufmann, Jan Schacher, Thomas Zollinger. 
Kuratorinnen / Claudia Grimm & Joëlle Valterio

Autor / MIRZLEKID
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