Marie-Anne Lerjen:
Legs Zürich

Marie-Anne Lerjen schreibt zu den Performances am Samstag 27.02.2016 von 11:00 bis 19:33 Uhr anlässlich von Legs im Corner College Zürich.

57 Performances wurden gezeigt. Jede Performance dauerte 9 Minuten. Zu jeder Performance entstand ein Satz.

Den Grittibänzen fehlt die Identität.
Kleben und elastisch bleiben ergibt Form.
Es handorgelt, niemand erscheint.
Tauben beginnen sich zu wehren.
Eine singende Pflanze bewegt sich durch den Neubau.
Auf einer Bakterienkultur wächst eine Pilzkultur.
Wieso schämt sich die Ecke so?
Ein Trompeter fällt ins Fruchtwasser.
Der letzte Urvogel flieht die Heide.
Agenten werden abgehört.
Das Schiff geht unter und doch wird gefeiert.
Dada brüllt ernst.
Ein Gewittertanz durchdröhnt die Stille.
Wer kann schon wissen, was er will.
So wollig erscheint die Balance.
Seidenpapierverknistert lösen sich Tränen im freien Flug.
Die Kinder lachen über die Aussprache und lassen das S aus.
Sie erwartet lieber schlechtes Wetter als Besuch.
Im Doppelspiegel verändert sich der Blick auf die Welt.
Diese Blässe und Tonlosigkeit versinkt im Pelzmantel.
Alles endet mit Eleganz in einem Scherbenhaufen.
Ein durchgezähltes Chorkonzert hallt von den Häuserwänden.
In Japan knallen die Papierpeitschen.
Bedrohlich fällt er unter Flugzeuglärm um.
Blind schreiben, um eine Pause herzustellen.
Wenn man schreien würde, wäre das 150 Kilometer in und über der Erde zu hören?
Die Atmosphäre hängt zusammen, und irgendwann platzt es.
Die Abgewiesenen schauen durch die Scheibe in den fast leeren Raum.
Seltsame Abdrücke hinterlässt diese Gestalt auf dem Fenster.
Quellenmaterial und Interviews treffen auf Projektionsflächen zu Repräsentationszwecken.
In dem Moment können wir alles behalten.
Ein roter Faden rettet das Quartier vor dem Abriss.
Man schrumpft oder wächst in der Zeit.
Rot-grün streift sich der Schmutz von den Händen ab.
Das Brett gerät energisch aus den Schultern mit GGGG in Bewegung.
Eine ganze Gruppe legt sich aufeinander.
Eine Frau verschwindet im Sofa, dahinter Rausch oder Rauch.
Holz splittert mit Kraft auf Holz.
Nach der Häutung, kaum erwacht, kommt sie zum Stehen.
Ohne Scheu, frei nachahmend springt es auf die Knie und streckt sich.
Künstler und Künstlerinnen sollten Arbeit erhalten.
Ein- und ausatmend fällt kein Urteil.
Das Schienbein ist der längste gerade Knochen im Körper.
Beim Bügeln der Nationalflagge fehlt es an Wärme.
Das Heimweh kommt mit Gefühl durchs Schlüsselloch.
Viele Schals hüllen ein und bringen einen Wulst ins Rollen.
Die Ohrfeige knallt aufs Gesicht.
Der gerupfte Vogel denkt an Gott.
Der Herzschlag pocht.
Die Sanduhr kann das Problem nicht lösen.
Den Soundcheck mit ABC
malt der Nasenmaler.
Sonata Névé schmilzt.
Ungestüm fällt er weit hinunter, kämpft gegen den Durst und schnappt nach Luft.
Diese Wollmütze hat immer einen Bezug.
Satans Augen täuschen.
Alles lässt sich in Sprache bringen.

Marie-Anne Lerjen
www.lerjentours.ch

→ siehe auch Text von Andrea Saemann über dieselben Performances