Margarit von Büren, MAS Kulturtheoretikerin, Luzern

Schreiben nach einer Performance heisst, dass von einer Augenzeugin oder von einem Augenzeugen das Ereignis nachträglich schriftlich festgehalten wird. Sybille Krämer betont, dass die Zeugin oder der Zeuge über die nachträgliche Berichterstattung einer Performanceaufführung eine aktive Rolle einnimmt, die sich von der Rolle der Zuschauerin oder des Beobachters unterscheidet. Die Zeugin oder der Zeuge übernimmt dabei eine Vermittlungsfunktion zwischen einem vergangenen Ereignis und einer zukünftigen Rezeption. In der aktuellen Performancetheorie ist laut Barbara Clausen die Performance-Kunst als ein kontingenter Prozess zu verstehen, der sich in einem wechselseitigen Verhältnis von Aufführung, Medialisierung und Rezeption bewegt und sich damit gegen den ontologischen Ursprungsmythos stellt, der das authentische Erleben in den Vordergrund stellt, das nach der Performanceaufführung endet. Der Augenzeugenbericht leistet in diesem Sinn zusammen mit Aufzeichnungen und Artefakten als Tradierungsinstrumente einen wichtigen Beitrag für die weitere Erforschung und Historisierung der Performance-Kunst.

(siehe Rubrik: Literature/Links)