Judith Huber:
Am oberen Rand des rechten Auges

Judith Huber schreibt nach der Performance «two of a kind» von Bettina Diel am Freitag 20.04.2015 anlässlich von performanceABEND #drei kuratiert von Lorenz Hegi und Michael Sutter in der Teiggi Kriens.

Es war etwas zwischen Flimmern und Wippen, das mir im oberen Teil des rechten Auges geblieben ist.

Eine Bewegung, die ich wahrnahm, etwas wippte sanft hoch und runter, rechts und links.

Eine Art Erinnerungsflimmern dieser Performance, die ich ein paar Tage zuvor in der Teiggi Kriens gesehen hatte.

Ich wusste weder den Namen der Performerin noch den Titel und habe dann bei den Organisatoren nachgefragt. Es war die Performance von Bettina Diel, die aber nicht selber performt hat, sondern Chun-Ho Lam, ein Performer und Tänzer aus Hongkong.

Schon am Performanceabend selber hat mich beschäftigt, wie diese simple Dachlattenkonstruktions-Performance den ganzen Abend prägte. Sie war einfach immer da. Sehr unscheinbar, aber gleichzeitig sehr präsent, da sie ja immer im Wege stand, immer am Laufen war, während parallel im Raum die anderen Performances stattfanden. Man kam nicht um sie herum, hat sie in die anderen Arbeiten miteinbezogen.

Eine 3 Meter lange Dachlatte am Boden liegend, eine gleich lange Dachlatte in einem cirka 120 Grad Winkel an der horizontalen Latte befestigt, die ragte in die Höhe, in den Raum. Der Performer sass auf der am Boden liegenden Dachlatte. Ohne ihn würde die ganze Konstruktion kippen, es brauchte sein Gewicht um sie in Balance zu halten. Indem der Performer sein Gewicht verlagerte oder auf der Dachlatte rumruckelte, entstand diese Zitter-, Flimmer-, Wippbewegung, weil sich seine Bewegungen auf die in die Höhe gerichtete Latte übertrugen.

Auch nach drei Monaten sitzt die Bewegung noch unter den Augenlidern.

Judith Huber, Künstlerin, Performerin, unabhängige Kuratorin, www.judhu.ch