Annelise Zwez, Kunstkritikerin, Biel/Bienne

Wie kann man Performance in Worte wandeln? – Ich denke, indem man sehen, hören, spüren und reflektieren (auch kritisieren) verbindet und zu etwas Neuem, Sprachlichem macht.

Performance hat immer (wenn auch mehr oder weniger) mit Körper zu tun. Performance ohne ausführende Person (oder allenfalls ein stellvertretendes Objekt) gibt es nicht. Das heisst, dass ein rein analytisch-intellektuelles Schreiben über Performance einer solchen nicht gerecht werden kann. Oder anders ausgedrückt: Wer über Performance schreibt, muss sie erlebt, muss sie eingeatmet haben, um in der analytischen und/oder assoziativen Reflektion fähig zu sein, die Regungen des fremden und des eigenen Körpers zusammen denken zu können. Das geht ohne direkten energetischen Austausch nicht oder es braucht im Falle einer Bildschirm-Visionierung ein Höchstmass an Einfühlung und Erinnerung.

Auf einer weiteren Ebene bedeutet das, dass sich die auf ein Höchstmass an intellektueller Objektivierung ausgerichtete geisteswissenschaftliche (männliche) Sprache, wie sie noch heute an Universitäten gang und gäbe ist, nicht eignet, um Performance als Äusserung oder Interaktion eines Körpers in einem spezifischen und vordefinierten inhaltlichen Konzept zu spiegeln. Darum ist es notwendig, dass sich Performance und Text in einer Art Gleichzeitigkeit von Erlebnis und Beurteilung der inhaltlichen Umsetzung und Relevanz treffen. Niemals darf der Text versuchen Performance zu sein (ausser er deklariere dies ausdrücklich im Sinne einer künstlerischen Weiterführung, eines Experimentes). Der Text braucht aber dieselbe sprachliche Öffnung zu Regungen des Körpers wie er auch vom Performer respektive der Performerin als entscheidendes Moment für das gewählte Medium immer wieder neu gewagt werden muss. Und dies nicht nur bei extravertierten, sondern auch bei äusserst introvertierten Performances.