Andrea Saemann:
Das ist Nadine Schwarz

Andrea Saemann schreibt einen Akuttext zu den Performances am Samstag 27.02.2016 von 11:00 bis 19:33 Uhr anlässlich von Legs im Corner College Zürich.

Dorothea sagt «Das ist Nadine Schwarz». Noch wird gesprochen. 8 Minuten vor Beginn, Nadine kniet mit Computer, ein Oleander wird reingeschoben. «Ich glaube, das ist Linoleum.» «Ja.»

1 Tisch, 1 Sack, 2 geschiente Finger links. Mit Backwaren wird die Identitätsfrage geklärt. | 1 halbe Kelle wird als Stuhl vorgeführt, knallt und klebt und klebt nicht. | Ihre kleine grüne Echsentasche hängt, während Metalle röhren, Harmonien ziehen, Tastaturen hinken. Zum Ton stehen mit den Händen im Sack. | 2, 2, 2, 2, 2. Stühle, Verstärker, Guitarren, Papiertaschen, Männer im tauben Look. Die Schnäbel bleiben verschlossen. | Der Oleander ist das Kind und hat allerlei zu Renovationsarbeiten auf der Lehmbodenalp zu sagen. 7 Tage lang, Gott gewollt. | Was die Schere macht der Bostitch. Ah, eine Velosattelhülle! | Martin G. Schmid ist eigentlich Martin Kippenberger’s Skulptur «Martin ab ins Eck und schäm dich» in der Ecke des Corner College. Lernt er dabei? | Er sucht Feines mit der Trompete. Sie beruhigt mit Rhythmus. Dreiklang mit Baby. | Die Tuba ist grösser als die Trompete. Die Chilecisten sind früher dran als die 9 Nordnachtnonnen. Das 3. steckt in der Ganz Gans, im Fisch Fink der soufflierenden Demonstranten im Publikum. | Sie haben Tücher im Haar und so Zeugs am Tschopen, Abhörstationen, Trauben bilden sich. Zeit sich zu begrüssen. | «Hi everyone. It’s my turn now.» Und dann werden etliche Bedürfnisse geklärt. | Die Frage nach der Zugehörigkeit ist Thema Nummer 1. Sie wird diesmal auf urnerisch gestellt und hat irgendwie etwas mit einem Foto von Hannah Höch zu tun und dem Entscheid hinzustehen. | Es ward Fasnacht. Nach Noten geschüttelt gesprungen getrommelt. Die Ziege sitzt auf dem Klo. | Er will was er «weiss noch nicht». Er will, was er weiss, noch nicht. | Eine Frau hat einen weissen Schal und Angst. Ein Fuss steckt im Stiefel einer in der Socke. Kein Gleichgewicht. | Gabi Glinz arbeitet mit weissem Seidenpapier. Am Boden, im Raum, an der Wand. Aber sie schaut auch. Aber sie hört auch. Aber sie denkt auch nach. | Es war einmal ein Baby verloren gegangen. Ein Wort wurde nicht erkannt. Verlust. Dafür kamen Tiere ins Haus und eine S wurde verschluckt. S blieb als Zahnlücke. | 3 Rollen. 1 Teppich rosa + 1 Ghettoblaster rund + 1 AKW blau gekrönt = 1 Lust am Einrollen im Spiegel des Wetters. | Noch 6 Minuten. Gugus, dada und der Kaffee röchelt. | Urs fotografiert wie ein Beamer eingerichtet wird, von Strumpfüberkopf-Pelztorso mit Fleckenhand. Schwarzschön hilft. «Cruel world Milky Diamond» findet statt. Mit Coke. | «Sie weiss, was sie will.» «Früschi Luft.» | Nun wird gezählt, Wasser geschöpft und mit Filzstiften Männer dirigiert. Mit 1 Rotem und 1 Gelben. | Ein roter Stern im Kreis auf Naturleinen. Solide Näharbeit, gekrönt von leerem Cellophan. Dann — der Blätterwald, heischah… | Er trägt die Düse Bombe im Mund. Er kann selber vom Stuhl fallen. Sie sind einander zugewandt, die Botschafter von einem anderen Land. | Orthophonetisch heisst mit blinden Augen einem an die Sonne schicken. | Ich lese Schlaf. Doch da steht Schaf in geologischen Gegebenheiten. Ein dummes, weisses Schaf. | Zwei am Werk in den Schlaufen der Verteilsysteme atmet es schwarz. Platz. | Ein feines Lächeln begleitet die Zuweisungen. Draussen: kulturpolitische Gespräche. | Nun verstellt mir einer die Sicht. Ich mag Marshmellows über der Kerze gebraten. Sie mag sie geschleckt an der Scheibe. | Spivak, Hito Steierl, Sabian, Baumann und Gender sind wichtig. Postkoloniale Politik auch. Das war irgendwann im Herbst. | «Deine Zeit, dein Moment». Wir können so sein, wie wir sind. Ja! | Stimmen sind in einem Computer und gehören einer Frau, die es eine Schande findet. Eine richtige zieht rote Fäden, davor oder dahinter. | «Die Atomuhr kommt am nächsten», sagt sie und ich stelle mir so ein seidenes Unterleibchen vor. | Doch die Unterwäsche ist aus Baumwolle und gerippt und will die Geschichte eines Masseurs erzählen und dabei die Leidenschaft nachhaltig nähren. | Ariane ist eine halbe Rockerbraut, am Gashebel der Sprache, die nischt so recht vom Fleckchen kommt. | Wir lieben viele in englisch und über Kompersion. | Ich leere den Aschenbecher und schaue dann einen Trickfilm mit Flöte. Aber dann ist nicht fertig, sondern wir treffen verbale Stars, die nett sind. | Draussen hat einer zwei zugespitzte Stecken und schlägt auf eine hölzerne Platte. Zurr — die Luft. Er kniet. Die Müdigkeit. | Im Helly Hansen und Gummistiefeln zögert sie und hält. An. Steht und knickt. | Nun kommt das Kind auf die Bühne. Fraglos. Diä Ghüslete grüssen die Sonne. Die Sprünge sind der Hit. | Sie braucht unsere attention und fragt how we can test protest. | We sit up straight. Ich schliesse die Augen. Audi, Audi, Audi. | Talus ist ein interessanter Knochen. Tibia auch. Der Vertikalste der Knochen, der aber eigentliche eine Flöte unter der Haut ist. | Sie bügelt die ungarische Fahne kalt. Aber wie! Das Lachen gurgelt tief unten. | Wir erfahren. wieso eine Blondine die Türe offen lässt, wenn sie auf’s Klo geht. Weil sie das mit diesem Schlüsselloch nicht mag. Sie hat es lieber grad klar. | San Keller öffnet (vielleicht) eine Flasche Whisky und will einen unvorbereiteten Toast auf die Performance sprechen. | Marc Mouci will einiges. Blind. Ich tu was. Autsch. | Es gibt eine Welschschweizerin, die in Zürich lebt und sich beschreibt im Lac des Signes, wo die Schwäne schwimmen. / Während vorne der junge Mann mit nacktem Oberkörper, tritt hinten die Mutter mit dem Baby von einem Fuss auf den anderen. Die Lautsprecherschaukel gixt. Uh, das Herz! | Der Besen steht. Ah, ein Radio. Nein, ein Nasenmaler mit Faun. | Er heisst nicht James. Er heisst Omri und ist zu früh dran. | Max! Max! Komfortzone vorbei. Sie begrüsst nicht nur uns, sondern auch Canada im Compi und is melting away. | Er fingert an den Tasten rum und ist ganz aufgeregt. Hinten redet eine Boxe Blech. Heia, sing Mechelin. | Eine schottische Künstlerin kommt als Säugling in die Stadt. Sie hat verschiedene Bezüge und eine Strickkappe auf dem Kopf, mit der man die Ferse üben kann. | Graues Fell auf dem Kopf und Netzstrumpf atmen ein und aus. Hoch und runter. | Und jetzt.

Teilnehmende Künstler_innen
Ali Al-Fatlawi & Watiq Al-Ameri | ALMA | Leo Bachmann + Angela Hausheer | Christine Bänninger + Peti Wiskemann | Julie Bärz | Kata | Luca Caluori | Abbott Chrisman | Mo Diener | Peter Emch + Tobias Oehmichen | Jeanette Engler | Lilian Frei + Ensemble | Marie-Claude Gendron (transmitter) | Monica Germann | Karen Geyer | Gabi Glinz | Yvonne Good | Gregory Hari | Sebastian Hofmann | Judith Huber | Clarissa Hurst |Silvana Iannetta | Füsun Ipek | San Keller | Susanne Keller | Stefanie Knobel | Mirzlekid Hansjörg Köfler | Petra Köhle + Nicolas Vermot Petit-Outhenin + Riikka Tauriainen | Verica Kovacevska | Milenko Lazic + Maya Minder | Natalie Madani | Marc Mouci | Daniel Mezger + Latefa Wiersch | Leu Maricruz Penaloza | Porte Rouge, Christoph Ranzenhofer + Joa Iselin | Melchior Rohrer | Tiziana Rosa | Anne Rosset | Lara Russi | Dorothea Rust (transmitter) | Andrea Saemann | Did Schaffer | Martin G. Schmid | Salome Schneebeli | Doro Schürch | Nadine Schwarz | Dimitrina Sevova | St. Pauli, Dadamt Zörich | Lara Stanic | Nathalie Stirnimann + Stefan Stojanovic | Angela Stöcklin | Christoph Studer-Harper | Ariane Tanner | Anne Käthi Wehrli | Michael Blättler | James Stephen Wright | Omri Ziegele |

Akuttext
ist eine Wortschöpfung von Birgit Kempker. Es ist ein Text, der im Getümmel geschrieben und im Anschluss zurück ins Ereignis gesprochen wird.

→ siehe auch Text von Marie-Anne Lerjen über dieselben Performances