Mirzlekid (Hansjörg Köfler):
Future Shock

Mirzlekid (Hansjörg Köfler) schreibt nach der Performance von Milenkoo am Samstag 25.4.2015 anlässlich von «Future Shock» kuratiert von David Thayer und Little Tornadoes auf dem Koch Areal in Zürich.

Der Raum und die Bühne werden abgedunkelt. Die Performance findet nach Mitternacht, nach vier Live Music Acts/Konzerten und einer Dark Dada Show statt. Von zwei Regenschirmen umgeben, mit nacktem Oberkörper und einer Stirnlampe über dem Bauch montiert, kommen zwei Männer tänzelnd und sich drehend auf die Bühne. Die Regenschirme halten sie links und rechts seitlich am Körper. Es wirkt als steckten sie in einer Muschel. Dadurch, dass die Decke über der Bühne zum Teil verspiegelt ist, gibt es eigenartige Lichtreflexe durch die Stirn/Taschenlampen der Performer. Eine Zeitlang tänzeln und drehen sich die Performer so auf der Bühne. Dann legen sie die Schirme weg, stehen Rücken an Rücken. Das Licht geht an. Nun sieht man, dass die zwei Männer ein Afrikaner und ein Weisser sind. Sie nehmen jeweils zwei rote, handgrosse Plastiksäcke (Robidog Säcke?) aus ihren Hosentaschen, stülpen sie sich wie Handschuhe über die Hände und klopfen sich gegenseitig damit ab. Sie beginnen eine Art Tanz, Capoeira Tanz, männlicher Konkurrenz- oder Kampftanz. Nun wird das Licht gedämpft. Milenko (der Weisse) richtet seine Stirn/Taschenlampe auf sein Gesicht, so dass das Gesicht von unten beleuchtet etwas Groteskes bekommt. Dann bewegen sich beide nach hinten in eine Bühnenecke und kramen hurend etwas hervor, mit den Rücken zum Publikum. Die Beleuchtung nimmt wieder ganz ab. Dann stehen beide auf, halten gemeinsam eine Art Plastikfolie in der Hand und kriechen zusammen darunter. Die Folie entpuppt sich als Regenschutz/Regenponcho. Einer der beiden Performer richtet die Kapuze des Regenschutzes mit einem Arm auf. Die beiden Stirn/Taschenlampen, die über dem Bauch der Performer montiert sind, wirken nun wie Augen. Das Ganze wird zu einer seltsamen Gestalt. Zu einer dritten Person. So bewegen sie sich über die recht tiefe Bühne nach vor, verbeugen sich umständlich, jetzt zu dritt. Dann gehen sie ab ins Publikum und verschwinden.

Obwohl nur diese Aktion im Programm als Performance angekündigt war, erinnere ich mich zusätzlich an Momente, die ich als Kunstperformance zu lesen begann.

Z.B. die Dark Dada Show, die schon lange vor der Show beginnt. Eine Röhre beleuchtet rot flackernd Dinge unter einem Tisch. Stefano Benini, einer der vier Akteure/innen, packt Sachen hin und her. Eine Frau (leider kenne ich ihren Namen nicht), die später Schlagzeug spielt, hilft ihm dabei. Beide agieren ganz bewusst, mit der Haltung von Performern. Mit dieser Selbstverständlichkeit, wie sie zum Beispiel Bauarbeiter beim Arbeiten auf der Baustelle haben. Gut, ich kenne Stefano schon, als Künstler, als Performer. Immer wieder filmt er das ganze Material und den Tisch mit einer knüppelartig aussehenden Videokamera. Danach kommt das Konzert. Stefano Benini, die Frau am Schlagzeug, Paul Dorn, der jetzt zur Musik Texte liest, und ein Bassgitarrist. Physical lips, Dark Dada ZH nennen sie sich auf dem Flyer/Plakat. Stefano hält ein blau leuchtendes Jedi Kinderspiel-Schwert in den Händen. Er hält es ans Microphon. Es erzeugt seltsame Geräusche.

Z.B. ein Afrikaner im blauen Overall. Im Bereich der Zuschauer bedient er eine Art Altar aus Kerzen auf einer spiegelnden Oberfläche. Er zündet immer wieder die ausgegangenen Kerzen an, schiebt sie zu recht und tanzt kurz. All dies wird zur Performance.

Das steckt als Erinnerung in mir.

Performance: 25.04.2015
Beteiligte: Milenkoo, Milenko Lazic und ein Afrikaner (Name nicht bekannt, steht auch nicht auf dem Flyer/Plakat etc.)
Titel der Arbeit: nicht bekannt
Ort: Koch Areal (mehrere besetzte Gebäude und das darum herum liegende Areal), Rautistrasse 22, CH-8048 Zürich Altstetten
Anlass: Future Shock, vier Bands/Live Musik Acts, eine Dada Show (Dark Dada) und eine Kunst Performance
Kurator_in: David Thayer und Little Tornadoes
Autor: MIRZLEKID, Hansjörg Köfler, 40% Eidg. dipl.bildender Künstler (vorwiegend Performance), 60% Migrationsbegleiter, Wiesenschanzweg 20, CH-4057 Basel, Atelier Albizke, Albisriederstrasse 203 b, CH-8047 Zürich.

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